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Latein

Warum Latein? Worauf beruht der Bildungswert des Unterrichtsfaches Latein?


Immer wieder hört man die Frage, welchen Sinn es mache, in der heutigen Zeit eine Sprache zu erlernen, die „tot“ sei, in der man sich nicht unterhalten könne. Der Nutzen, den jemand aus den Kenntnissen der lateinischen Sprache und der aus ihr entstandenen Kultur bezieht, zeigt sich nicht in einer unmittelbaren Anwendbarkeit, sondern ist indirekt, dafür aber sehr vielseitig.

Wozu also Latein?

  • Die lateinische Sprache ist ein Modellfall für Sprache überhaupt. Latein führt durch seine grammatische Schulung zum grundsätzlichen Verständnis sprachlicher Erscheinungen. Die Unterrichtssprache im Fach Latein ist Deutsch, weil es sehr viel um Sprachreflexion geht. Es gibt im Fach Latein nicht den Zwang, sich in der fremden Sprache unterhalten zu müssen, wie dies in modernen Kommunikationssprachen notwendig ist.

  • Im Umgang mit Latein lässt sich erlernen und durchschauen, wie auch die anderen Sprachen „funktionieren“. Das gilt insbesondere für die romanischen Sprachen, für die Sprachen also, die sich direkt vom Lateinischen herleiten („Mutter Latein und ihre Töchter“). Dies erleichtert somit das Erlernen dieser Sprachen.

  • Durch die beständige Notwendigkeit etwa, beim Übersetzen lateinischer Texte nach passenden deutschen Ausdrücken zu suchen, wird das Ausdrucksvermögen in der deutschen Sprache gefördert. In dem man Latein lernt, lernt man Deutsch. „Sprachschulung“.

  • Lateinkenntnisse helfen, Fremdwörter und wissenschaftliche Fachbegriffe schneller und besser zu verstehen.

  • Die Auseinandersetzung mit der lateinischen Sprache fördert genaues Beobachten, Kombinationsvermögen, Präzision, Analyse- und Urteilsfähigkeit sowie Ausdauer, Geduld und Konzentration, wichtige Voraussetzungen für die Studierfähigkeit - ganz egal, welcher Studiengang einmal angestrebt wird. „Denkschulung“.

  • Latein macht einen wesentlichen Teil unserer abendländischen Kulturtradition erfahrbar. Vor allem nach Abschluss der reinen Spracherwerbsphase werden politische, historische, philosophische und poetische Texte gelesen, die ihre Wirkung auf unsere Kultur noch lange nicht verloren haben. In der Beschäftigung mit der Welt der Römer und Griechen erfährt man, was es auf sich hat mit der Sisyphusarbeit, dem trojanischen Pferd, dem Gordischen Knoten oder was ein Pyrrhussieg ist und wer den Rubikon überschritten hat.

  • Schließlich sind Lateinkenntnisse (Latinum) formale Voraussetzungen für einige Studiengänge an den Universitäten oder sind für Fachbereiche wie Medizin oder Jura zumindest von großem Nutzen. 
     
Latein ist keine leichte Sprache; mit einiger Konsequenz kann ein Schüler oder eine Schülerin aber großen Gewinn davon haben, sich für Latein zu entscheiden.

Non scholae, sed vitae discimus.
 
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