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Das Fach "Lernen lernen" in der Grundschule der Merz-Schule
 

"Das Lernen zu verstehen heißt auch, sich zu fragen, was denn Lernen überhaupt ist."

(Manfred Spitzer, Gehirnforscher, 2002)


Vom Hippocampus, den Synapsen und den plastischen Karten im Kopf

An einem Donnerstag in der zweiten Stunde der Klasse 4 im Fach "Lernen lernen" steht der Hippocampus auf dem Programm, eine kleine Gehirnstruktur, tief im Inneren des Gehirns an der Innenseite des Schläfenlappens der Großrinde. Für die Schüler dieser Klassenstufe ist es bereits nach drei Wochen Unterricht nichts Ungewöhnliches über den Hippocampus und seine exorbitanten Funktion für das Lernen zu sprechen. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, die Funktionsweise des Lernens in unserem Gehirn zu verstehen. Anhand von Folien erklären die Schüler, wie der Hippocampus arbeitet und finden heraus, warum ihn die Gehirnforscher den Neuigkeitendetektor nennen. Er sorgt dafür, dass wir nur das aufnehmen und behalten, was für den einzelnen Menschen interessant erscheint. Aber ist der Lernstoff immer so wichtig aus der Sicht der Schüler?

lernenlernen.jpgDie Bandbreite gelebter Einzelerfahrungen ist groß: Schüler mit scheinbar unüberwindbaren Lernblockaden und Lernfrust haben hier die Möglichkeit, sich mit Schülern auszutauschen, die bereits über kreativere Lernstrategien verfügen. Die Schüler werden in die Lage versetzt, theoretisch formulierte Lernstrategien praktisch umzusetzen. So wird zum Beispiel das für Schüler oftmals stupide empfundene Vokabellernen zu einem "Vokabelmemory", bei dem sie auf anschauliche Weise leichter zum Lernerfolg kommen.

Seit Gehirnforscher in verstärktem Maße Erkenntnisse aus der neurobiologischen Forschung Pädagogen zur Verfügung stellen, kommt die Forderung auf, Lernprozesse und Unterrichtsgestaltung diesen anzupassen. Die Verunsicherung ist groß. Während Manfred Spitzer feststellt: "Wenn man irgendeine Aktivität nennen sollte, für die der Mensch optimiert ist, so wie der Albatros zum Fliegen oder der Gepard zum Rennen, dann ist es beim Menschen das Lernen." Für viele Schüler und ihre Eltern mag diese Feststellung wie Hohn klingen. Angesichts schlechter Zensuren, mühsamen Lernens und geringem Lernerfolgs haben sie die Erfahrung gemacht, dass Lernen keinen Spaß macht. Und auch das wurde gelernt. Im Fach "Lernen lernen" haben wir die große Chance zum Wohle der Lernenden und der Lehrenden diese Diskrepanz aufzubrechen.

Wenn wir die Möglichkeit haben, gemeinsam über das Lernen allgemein und die Lernprozesse insbesondere mit den Schülern zu diskutieren, dann bleiben wir nicht dieselben, wir verändern uns und auch unsere Art und Weise zu lernen und den Herausforderungen unserer modernen Informationsgesellschaft couragiert zu begegnen.

 
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